Der heilige Berg Arunachala – Teil Eins!

Arunachala

Der Arunachala ist ein 820 Meter hoher Berg im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu rund 150 Kilometer von Chennai (Madras) und 180 Kilometer von Bangalore entfernt. An seinem Fuße liegt die Stadt Tiruvannamalai mit dem großen hinduistischen Arnachalasvara-Tempel. Im Westen wurde Arunachala durch den Weisen Sri Ramana Maharshi bekannt, der in seinen Höhlen viele Jahre meditiert hat, bevor ein Ashram gegründet wurde.

Geologisch ist Arunachala ein isolierter Bergstock aus Vulkangestein und hat einen kahlen rötlichen Kegel. Trotz seiner geringen Höhe beherrscht er weithin die Landschaft. Verschiedenste Heilkräuter wachsen auf dem Berg.

In früheren Zeiten war der Arunachala zum Teil bewaldet und von wilden Tieren und urwüchsiger Flora und Fauna belebt.

Arunachala wird seit Urzeiten als heiliger Berg verehrt, der Tamillegende nach ist er älter als der Himalaya und gilt als einer der heilgsten Orte Indiens.

Die Bedeutung des Sanskritnamens Arunachala ist “Berg der Morgenröte“, (wörtlich aruna: Morgenröte, achala: Berg, auch das Unbewegliche). Er wird auch “Hügel des Lichts“genannt, der Name bezieht sich auf das “Göttliche Licht Shivas“, das den Berg wie eine Aura umgeben soll. (Shiva, aus dem Sanskrit wörtlich übersetzt, “der Gütige, der Freundliche“, gilt als der Zerstörer der Nicht-Erkenntnis als segensvolle Gottheit.)
Im übertragenen Sinne steht “Aruna“ für den befreiten Zustand jenseits der Gegensätze, “achala“ für das Unbewegliche, Stabile, Stille.
Von Shankara (Sanskrit, śankara, adi heißt „Anfang, Ursprung“; 788- 820), einer der größten Heiligen und Philosophen Indiens, Hauptvertreter des Advaita-Vedanta, wird berichtet, dass er Arunachala als Berg Meru bezeichnete, der nach indischer Mythologie als Weltachse und Zentrum des Universums und Wohnort der Götter gilt.

Um den Ursprung des heiligen Berges ranken viele Legenden. Die bekannteste Legende gibt Hintergründe für die Verehrung und Anziehung des Berges:

Vishnu und Brahma gerieten in Streit, wer von Ihnen der Mächtigere sei. Ihr Streit brachte Chaos auf die Erde. Deshalb baten die Götter Shiva, den Streit zu schlichten. Shiva erhörte ihre Bitte und manifestierte sich als Lichtsäule. Aus ihr ließ er eine Stimme sprechen: „Wer von den beiden das obere oder untere Ende der Säule erreichen könne, sei der Mächtigere.“ Vishnu nahm die Gestalt eines Ebers an und grub sich tief in die Erde ein. Brahma verwandelte sich in einen Schwan und und flog zum oberen Ende hinauf. Unterwegs sah er eine Blüte durch die Luft fliegen, nahm sie als Beweis für Shiva und behauptete, dass er sie auf der Spitze der Lichtsäule gefunden habe. Auch Vishnu konnte das untere Ende nicht erreichen, erkannte jedoch in seinem eigenen Inneren das höchste Licht, das in den Herzen aller Geschöpfe leuchtet. Er verlor das Gewahrsein des Körpers, vergaß sich selbst und sein Ziel, die untere Lichtsäule zu erreichen. Er gestand Shiva seinen Mißerfolg ein und prieß ihn mit den Worten:

“Du bist die Selbsterkenntnis, das OM.
Du bist der Anfang, die Mitte und das Ende von allem.
Du bist alles und erleuchtest alles.“
Er wurde als der Mächtigere anerkannt und Shiva verzieh dem beschämten Brahma seinen Täuschungsversuch. (Quelle: Gabriele Ebert, Ramana Maharshi, Sein Leben, S.59, Lüchow Verlag Stuttgart)

Zitate:

Bhagavan Sri Ramana Maharshi:

“Arunachala ist das Herz der Welt, ist Shiva selbst.
So wie wir uns mit dem Körper identifizieren,
so identifiziert sich Shiva, die höchste Wahrheit, mit dem Berg.
Es geschieht aus Liebe zu denjenigen, die Ihn zu erkennen suchen.“

Madhukar:

“Ja, dieser Berg ist Shiva selbst.
Wenn Menschen erleuchtet sein können, warum nicht auch ein Berg?
Jeder, der einmal dort war, stellt fest,
dass er zwar auf eine rote geologische Formation in einer Ebene mit Reisfeldern trifft, dass es aber viel mehr ein mysteriöser Ort ist.
Bhagavan ist immer noch dort!
Dieses Phänomen stiller Präsenz wird als klangloser Klang beschrieben.
Ich würde sagen: vibrationslose Vibration.“

Giri Pradakshina – die Umrundung des heiligen Berges
(giri, Berg und pradakshina, Umrundung)

Das rituelle Umschreiten eines Objektes ist im Hinduismus seit altersher ein Form der göttlichen Verehrung. Da der Arunachala als eine Manifestation des Gottes Shiva angesehen wird, gilt seine Umwanderung von jeher als segensreich: Sie bringe den Geist zur Ruhe, helfe bei der Befreiung, vergebe Sünden und erfülle Wünsche. In der heiligen Schrift, dem Arunachala Puranam, finden sich zahlreiche Anweisungen für die Umrundung des Berges. So wird dem Pilger empfohlen, schweigend oder singend, in innerer Stille, barfuß und langsam wie eine schwangere Königin zu gehen. Jeder Tag der Woche hat eine besondere Bedeutung entsprechend der obengenannten Ziele und Wünsche. Bevorzugte Tage sind Vollmondnächte, besonders die letzte Vollmondnacht des Lichterfestes Deepam, nach der Entzündung der heiligen Flamme. Dieses Fest wird bereits in über 3000 Jahre alten tamilischen Schriften erwähnt.
Der traditionelle Rundweg ist ca 13 Kilometer lang und geht auch durch Tiruvannamalai mit seiner großen Tempelanlage, dabei soll der Berg immer zur rechten Seite liegen. Unterwegs gibt es viele Schreine, kleinere Tempel und verschiedene Ashrams.
Sri Ramana Maharshi hat diese Umrundung häufig praktiziert und auch seinen Anhängern empfohlen, im Bewusstsein: “Alles ist in mir“.
Er hat sein ganzes Leben auf die wunderbare Wirkung des Berges verwiesen. Arunachala hat seiner Aussage nach bewirkt, dass er sein Elternhaus mit 17 Jahren verlassen hat, er sei von Arunachala angezogen worden:

“Als Arunachala mich an sich zog, meinen Geist in Schweigen erfüllte und ich ihm nahe kam, sah ich: er bedeutet absolute Stille.“

“Arunachala ist im Innern und nicht außerhalb. Das Selbst Ist Arunachala.“

„Für das menschliche Auge ist er nur eine Gestalt aus Erde und Gestein, aber seine wahre Form ist göttliches Licht.“

“Das Geheimnis des Berges ist das Geheimnis des Selbst.“

“Oh, Arunachala, du entwurzelst das Ego derjenigen, die an dich in ihrem Herzen denken“.

Quellen:

Gabriele Ebert, Ramana Maharshi, Sein Leben, Stuttgart, Lüchow Verlag
Martin Mittwede, Spirituelles Wörterbuch, Sanskrit Deutsch, Sathya Sai
Vereinigung, Bonn
Lexikon der Östlichen Weisheitslehren, Otto Wilhelm Barth Verlag
Satsang mit Madhukar
Madhukar, Einssein, Lüchow Verlag

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