Die Wirklichkeit ist ein glückliches Nichts!


Sich selbst und die Welt zu erklären, ist uns Menschen ein tief verwurzeltes Bedürfnis. Seit jeher erforschen Wissenschaftler die Rätsel der Natur, des Universums und des menschlichen Geistes. Die Herangehensweisen sind unterschiedlich, doch wo man sich früher gerne in den Elfenbeinturm seiner Disziplin zurückzog,
andere Fachbereiche – wenn überhaupt- nur kritisch beäugte, findet heute wieder eine Annäherung statt. Ob Quantenphysik, Neurologie, Philosophie oder Spiritualität, am Ende, so scheint es, stoßen alle derzeit auf ähnliche Ergebnisse. Sogar Naturwissenschaftler hantieren plötzlich mit Begrifflichkeiten, wie „Transzendenz“, „Gott“, oder „kosmischer Geist“, um das von Ihnen Erkannte zu erklären. Angesichts einer solcher Terminologie bäumt sich der Descartes in uns auf, singt sein Loblied auf die Vernunft und versucht die Ratio vor dem Dolchstoß zu bewahren. Doch halt! Die Schlange beisst sich in den Schwanz, ist doch die neue Gotteserkenntnis nicht tradiert, und der Weg zu ihr keineswegs irrational. Langsam, aber sicher verschwimmen die Konturen des verhärteten Trennungsgedanken, denn neuste Ergebnisse, vor allem aus der Hirnforschung, entziehen ihm jede argumentative Grundlage. In letzter Konsequenz könnte er selbst von den überzeugtesten Verehrern der reinen Vernunft nicht mehr gehalten werden, womit sich das Tor zu einem neuartigen, interdisziplinären Konsens immer weiter öffnet.

Zwischen Quantenphysik und Advaita

Erst kürzlich stellte der Physiker und Friedensnobelpreisträger Prof. Hans-Peter Dürr in einem Interview eine klare Verbindung zwischen der Quantenphysik und der Jahrtausende alten indischen Weisheits- lehre Advaita her. Das Wort Ad-vaita stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Nicht-Dualität“, im übertragenen Sinne soviel wie „Einheit“ oder „Einssein“. Laut Prof. Dürr erklärt die fernöstliche Philosophie genau diejenige Erkenntnis, welche er über die Quantenphysik erlangte: Allem materiellen liegt etwas immaterielles zugrunde. Dieses „reine Informationsfeld“ ist grenzenlos, allumfassend und fernab von Raum und Zeit. Er nennt dies „Wirklichkeit“, was jedoch nicht mit dem, was wir im allgemeinen „Realität“ nennen, gleichzusetzen ist. Oder - schlicht und schön – „den Urgrund der Lebendigkeit“.

Madhukar, deutscher Philosoph und Meister des Advaita, beschreibt diesen „Urgrund der Lebendigkeit“ als „trans-neurologische Realität, das ozeanische Ewige, aus der das Individuelle wie eine Welle aufsteigt und vergeht. Das transpersonale Selbst ist einzige immerwährende Wirklichkeit, nämlich Frieden und stilles Glück.“

Wirklichkeit als transzendentes glückliches Nichts


Da dieses transzendente Nichts allem Existierenden zugrunde liegt, also alles Lebendige durchtränkt, ist es nicht nur die Essenz eines unpersonalen Universums, sondern folglich auch jedem menschlichen Körper, jeder einzelnen Person innewohnend. An genau diesem Punkt setzt der praktische Philosoph an: Wenn Wirklichkeit unsere grundle- gende Natur ist, dann muss sie von jedermann erfahrbar sein! Seine Herangehensweise ist keine Wissenschaft. Er lehrt keine Theorie, keine Übung, keine geistigen Konzepte. Müsste man sie in einen Fachbereich eingliedern, würde die Kategorie „Angewandte Philosophie“ genau zutreffen. In öffentlichen Vorträgen animiert der ehemalige TV-Journalist die Besucher zu ergründen, „wer sie wirklich sind“. Durch meditative Stille und klärende Dialoge stärkt er die Sensibilität für diese unbeschreibliche Ebene und macht so das Mysterium des Einsseins direkt spürbar. Das Ergebnis: Einfach glücklich sein durch Selbsterkenntnis.

Wie und warum uns diese Erkenntnis glücklich macht, ist in gewisser Weise ein Rätsel. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen in ihrem formlosen Seinsgrund eine höhere Macht erkennen, und sich selbst als ein Teil von ihr. Dieses plötzliche, zweifelsfreie Wissen, dass man eingebettet ist, in Etwas, das größer ist als man selbst und ewiger als das Universum, gleicht einer Vereinigung mit Gott. So wird Gotteserkenntnis zu Selbsterkenntnis, und anders herum.

Leichtigkeit durch Transzendenz


Es ist bewiesen, dass Personen, die in ihrem
Leben einen übergeord- neten Sinn sehen, zufriedener sind, als diejenigen, welchen die Bürde der eigenen Lebensverantwortung schwer auf den Schultern lastet. Wahre Weise wissen: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Sie nehmen die eigene Machtlosigkeit an, Demut und Hingabe an eine liebevolle Kraft sind das Ergebnis. Wer das Ich nicht mehr als getrenntes Wesen wahrnimmt, das für alle Tätigkeiten selbst Energie aufbringen muss, gibt ab, schwimmt mit, gleitet mühelos erfreut durchs Leben.

Nun, was machen wir jetzt mit dieser uralten, endlich wieder gesellschaftsfähig gewordenen Erkenntnis? Interessant wäre, Vertreter unterschiedlichster Disziplinen an einen Tisch zu rufen, um mit ihnen über sie zu diskutieren. Doch im Grunde ist das ein alter Hut. Am besten, wenden wir sie an. Und leben sie. Denn das ist ihr eigentlicher Sinn.

1 Kommentare zu “Die Wirklichkeit ist ein glückliches Nichts!”
  1. # Anonymous Anonym

    Alles Okay!

    Reinhard
    (auch ein ziemlich weiser - älterer - Mann)  

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