Tibet-Unruhen: Die wahren Ursachen und ein Aufruf zur Unterstuetzung

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Dieser Newsletter wurde von der buddhistischen Zeitschrift Ursache&Wirkung in Zusammenarbeit mit dem Beauftragten des Dalai Lama in Österreich, Geshe T. Dhargye, erstellt. Er dient zur Unterstützung

  • eines freien, friedlichen und demokratischen China!
  • einer freien, friedlichen autonomen Region Tibet!
  • freier und friedlicher Olympischer Spiele in China 2008!

Nachfolgend finden Sie ein Interview mit Geshe T. Dhargye über die wahren Ursachen, die zum Ausbruch der Unruhen führten, seine Einschätzung der gegenwärtigen Lage sowie einen Aufruf zur Unterstützung der Anliegen des tibetischen Volkes durch die LeserInnen von Ursache&Wirkung.

Wie können Sie das tibetische Volk unterstützen?

  1. Versenden Sie Briefe und E-Mails an Hilfsorganisationen, Politiker, Medien und die Olympischen Komitees in Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch im restlichen Europa und in der ganzen Welt. Genauere Informationen finden Sie am Ende dieses Newsletters. E-Mail-Adressen können Sie über info@ursache.at anfordern.
  2. Treten Sie über die E-Mail-Adresse info@ursache.at mit uns in Verbindung. Fordern Sie weitere Adressen für die Informationskampagne an oder teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit. Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen bis zu den Olympischen Spielen und darüber hinaus über die Lage in Tibet berichten.
  3. Verschicken Sie bitte diesen Newsletter in ihrem Bekanntenkreis, sodass möglichst viele Menschen die Aktion unterstützen können.
Geshe Tenzin Dhargye, der Beauftragte SH. des XIV. Dalai Lama in Österreich im Interview mit Peter Riedl:

Interviewrunde mit dem Dalai LamaBild: Der Dalai Lama und Geshe T. Dhargye (3. von li) im Interview mit dem Team von Ursache&Wirkung,
www.ursache.at.

U&W: Wie haben die Unruhen begonnen?
Geshe Tenzin Dhargye: Am 10. März haben elf Mönche aus dem Kloster Sera in Lhasa mit gewaltlosen Protesten begonnen. Man sagt, es seien auch zwei Laien dabei gewesen, also waren es 13 Personen. Nach rund 15 Minuten kam die Polizei und nahm diese Menschen fest. Direkt auf dem Marktplatz von Lhasa, vor den Augen der Anwesenden, wurden diese friedvoll demonstrierenden Menschen geschlagen und danach weggebracht. Wohin, das weiß man bis heute nicht.

Am nächsten Tag kamen etwa 300 Mönche aus dem Drepung Kloster, westlich von Lhasa. Sie gingen ruhig und friedvoll, haben das Langlebensgebet für Seine Heiligkeit rezitiert und waren auf halbem Weg nach Lhasa, als sie von der Polizei gestoppt wurden. Rund 60 der 300 Mönche wurden verhaftet und weggebracht, die anderen hat man gezwungen, wieder umzukehren. Danach hat die Polizei das Kloster gesperrt, den Mönchen die Mobiltelefone weggenommen und ist mit Gewalt gegen die Demonstranten vorgegangen.

Portrait von Geshe T. Dhargye Rechtes Bild: Geshe Tenzin Dhargye. Beauftragter SH Dalai Lama für das Tibetzentrum Hüttenberg, Spiritueller Leiter in Salburg: www.tdc-salzburg.at

Rund um Lhasa gibt es einige kleine Männer- und Frauenklöster. Auch von dort sind die Ordinierten gekommen und wurden ebenfalls festgenommen und weggebracht. Weiter entfernt, aus dem Kloster des Dorfes Phenpo und ebenso aus dem Kloster Ganden, sind danach Mönche auf die Straße gegangen, um für die Freilassung ihrer Brüder und Schwestern zu demonstrieren. Dann begann die Bevölkerung, sich diesen Protesten anzuschließen, und sie alle forderten die Freilassung der Inhaftierten.
Bis zum 14. März waren die Demonstrationen sehr friedlich, doch immer wieder nahm die chinesische Polizei die Demonstranten fest, schlug und folterte sie und brachte sie schließlich weg. Niemand weiß, wohin.
Am 14. März begannen dann auch die Mönche des Jokhang Tempels, in Lhasa zu demonstrieren, Laien schlossen sich ihnen an, und sie forderten Redefreiheit, Religionsfreiheit, die Rückkehr Seiner Heiligkeit des Dalai Lama und riefen: „Lange lebe Seine Heiligkeit der Dalai Lama!”
Daraufhin eröffnete die chinesische Polizei bzw. das Militär das Feuer und schoss in die Menge. Sie töteten zwei Mönche, und viele wurden verletzt. Es gab Festnahmen und Schläge, und schließlich verloren die Tibeter die Geduld. So nahm die Gewalt zu, es kam zu Ausschreitungen, und viele Tibeter wurden getötet.
Am selben Tag begannen in Labrang, im Osten Tibets, in der Provinz Gansu, ebenfalls gewaltlose Proteste, an denen rund 4000 Menschen teilnahmen. Die Chinesen setzten Tränengas ein, und die Menschen riefen: „Lasst die Lhasa-Mönche frei! Wenn wir leben, dann leben wir zusammen; wenn wir sterben, dann sterben wir zusammen!”
Am nächsten Tag kamen doppelt so viele Menschen, es waren rund 8000, um in Labrang wieder auf die Straße zu gehen. Schließlich gab es auch hier Tote und Verletzte.
So haben sich die Ausschreitungen schließlich bis zum heutigen Tag auf viele Regionen ausgeweitet, und jeden Tag kommen neue dazu.
U&W: Wissen Sie, wie viele Menschen mittlerweile verhaftet worden sind?
Geshe T. Dhargye: Das ist sehr schwer zu sagen. Nicht einmal, wie viele getötet wurden, weiß man genau. Die Unruhen finden in mehreren Regionen statt. An einem einzigen Ort wurden einmal achtzig Leichen gezählt, aber es ist sehr schwer, Informationen zu bekommen.
U&W: Woher erhalten Sie Ihre Informationen?
Geshe T. Dhargye: Von der tibetischen Exil-Regierung, dem Büro S.H. des Dalai Lama, Radio Free Asia, aber auch über persönliche Kanäle. Ich habe Bekannte in Lhasa, aber mittlerweile funktioniert das Telefon nicht mehr, auch Handys kann man nicht mehr erreichen.
U&W: Warum haben die Unruhen gerade jetzt begonnen?
Geshe T. Dhargye: Die unerträglichen Zustände und die Leiden der Bevölkerung gibt es seit vielen, vielen Jahren. Aber natürlich hofft man jetzt auf mehr Aufmerksamkeit durch die Welt anlässlich der Olympischen Spiele, das ist verständlich.
U&W: Was ist das Ziel, was erwarten sich die Mönche und Demonstranten?
Geshe T. Dhargye: Entsprechend den Vorstellungen S.H. des Dalai Lama keine völlige Loslösung von China, aber zumindest eine autonome Verwaltung und die Verwirklichung der Menschenrechte. Einige wollen aber auch ganz frei werden.
U&W: Wie wird es Ihrer Meinung nach mit den Demonstrationen weitergehen? Geshe T. Dhargye: Jeden Tag wird es schlimmer, immer mehr Gebiete stehen unter totaler militärischer Kontrolle. Trotzdem nehmen die Demonstrationen zu. Sogar in Beijing selbst haben 50 tibetische Stu
denten demonstriert. Jeden Tag geht es an einem anderen Ort los.

Proteste in TibetAnlass der Proteste ist der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa. Ich hoffe nur, dass es für die Bevölkerung nicht schlechter wird. Soeben läuft nämlich ein ganz gezielter Plan an: Alle Ausländer und Journalisten werden ausgewiesen, und es wird für die Menschen immer schlimmer werden. Das wird jetzt sicherlich für Monate weitergehen, und sie werden jedes Haus und jedes Dorf durchkämmen und suchen, ob sie ‚belastendes Material’ finden, z.B. ob die Menschen bei den Demonstrationen dabei gewesen sind. Es werden noch viel mehr Menschen verhaftet werden, es ist eine wirklich gefährliche Situation!

U&W: Wissen Sie, wie es in dieser Situation S.H. dem Dalai Lama selbst geht?
Geshe T. Dhargye: Er ist sehr betroffen und macht sich große Sorgen über die Entwicklung und wie man alle diese Menschen schützen kann, denn es waren Tausende dabei! Viele wurden verletzt, und sie trauen sich gar nicht, in die Spitäler zu gehen, weil sie sofort verhaftet würden.
U&W: Wie können wir die Anliegen Seiner Heiligkeit unterstützen?
Geshe T. Dhargye: Ich ersuche Sie, dass Sie alle LeserInnen von Ursache&Wirkung bitten, uns zu unterstützen, indem sie an Hilfsorganisationen, das Rote Kreuz und an die politischen Führer dieser Welt schreiben und folgende Punkte erwähnen:

  1. Es muss sofort damit aufgehört werden, dass chinesische Gewehre auf Tibeter schießen.
  2. Alle Gefangenen sollen sofort freigelassen werden.
  3. Die Verhaftungen müssen sofort aufhören.
Es ist auch sehr wichtig, dass die LeserInnen an die verschiedenen Hilfsorganisationen schreiben: Es gibt bereits jetzt 400 Verletzte, die in den chinesischen Spitälern keine medizinische Hilfe bekommen. Man möge Hilfsteams nach Tibet schicken, um dort vor Ort zu helfen.
Außerdem bitte ich, an die chinesischen Botschaften in Europa und auf der ganzen Welt zu schreiben, dass sie wieder Journalisten ins Land lassen, die objektiv berichten können. Und an Zeitschriften möge man schreiben, dass sie Journalisten nach Tibet senden, um dort über die Realität zu berichten. Informationen sind sehr wichtig. Natürlich bekommt man auch vor Ort nur sehr schwer richtige Informationen, aber von hier aus ist es überhaupt unmöglich.
U&W: Wie stehen Sie zu einem Boykott der Olympischen Spiele?
Geshe T. Dhargye: Wir rufen dazu nicht auf, aber ich meine, dass die Olympischen Spiele natürlich ganz eng mit den Menschenrechten verknüpft sind. Die Organisatoren können auf die Chinesen in dieser Richtung einwirken, dass sie ein Ende der Schießereien fordern und die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet. Ich wäre den LeserInnen von Ursache&Wirkung sehr dankbar, in diesem Sinne auch an die Olympischen Komitees ihrer Länder zu schreiben. Die Menschen, die in Tibet demonstrieren, hoffen, dass die Welt auf sie aufmerksam wird und sie unterstützt. Wenn das eintritt, könnte sogar der Tod derjenigen, die umgekommen sind, einen gewissen Sinn machen. All diese Bitten äußere ich in meinem Namen und im Namen der tibetischen Exil-Regierung sowie aller anderen Organisationen, die der tibetischen Sache dienen.

Bitte richten Sie Ihre E-Mails und Briefe an:

  1. Die politischen Führer dieser Welt:
  2. * Es muss sofort damit aufgehört werden, dass chinesische Gewehre auf Tibeter schießen.
    * Alle Gefangenen sollen sofort frei gelassen werden.
    * Die Verhaftungen müssen sofort aufhören.

  3. Die verschiedenen Hilfsorganisationen, die WHO und das Reute Kreuz:
  4. * Bitte schicken Sie Hilfsteams nach Tibet um dort vor Ort zu helfen.

  5. Die chinesischen Botschaften in Europa und der Welt:
  6. * Bitte lassen Sie wieder Journalisten nach China und Tibet, damit diese objektiv und frei berichten können.

  7. Zeitschriften, Fernseh- und Radiostationen:
  8. * Bitte schicken Sie Journalisten nach Tibet, um über die dortherrschenden Bedingungen objektiv zu berichten

  9. Die olympischen Komitees:
  10. * Bitte verweisen Sie auf die hohe Bedeutung der Olympischen Spiele, indem Sie den Zusammenhang zwischen diesen und einer friedlichen Welt und der Einhaltung der Menschenrechte herausstreichen, und handeln Sie auch in diesem Sinne.

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