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'Wake me up' by Madhukar
Dialoge

Hannover

F: Ich meditiere gerne und es tut mir besonders gut, wenn ich Wut oder Angst empfinde. Ist Meditation hilfreich für das Erwachen?

M: Ich halte Meditation für eine indirekte Maßnahme und rate Dir lieber die direkte Art des Erwachens zu untersuchen und wenn sie Dir schmeckt diese zu wählen. Warum? Nur das ist erfolgversprechend und du musst obendrein garnichts tun. Meditation kann sehr hilfreich sein, um die mentalen, geistigen Aktivitäten zu beruhigen und zu harmonisieren, aber es führt nicht unbedingt zum Erwachen. Leider muss ich sagen: Es führt nicht zum Erwachen. Nein, im Gegenteil verhindert sie eher Erwachen. Übe Meditation aus, wenn Du vorübergehende Glückszustände anstrebst, vorübergehende Zufriedenheit willst, etwas Entspannung und Ruhe in Deinem Alltag. Wenn Du dagegen herausfinden willst, wer Du wirklich bist, dann frage Dich: "Wer meditiert?". Das führt Dich sofort zu Dir selbst, in dem unterschiedliche Zustände stattfinden. Dann frage weiter: 'In wem finden diese Wut und die Glückseligkeitszustände statt ?´ Meditation untersucht das nämlich nicht. Nein, oftmals entsteht erst durch Meditation eine Trennung zwischen Dir, dem Meditierenden, und dem Akt der Meditation (etwa einer gewählten Form von Konzentration, bewusstem Atem oder einer Asana) und desweiteren mit deinem meditativen Ziel.

F: Würde mich Meditation meinem Sein so nahe bringen, dass ich ganz damit verschmelze?

M: Was hindert Dich?

F: Konditionierungen.

M: Wer sieht diese Konditionierungen?

F: Erziehung...

M: Nein, nicht was diese Konditionierungen sind. Ich sagte: "Wer sieht diese Konditionierungen?"

F: Dieses Bewusstsein in mir erkennt diese Konditionierungen.

M: Konzentriere Dich nur auf dieses Bewusstsein. Was findet in deiner Meditation statt? Du siehst Zustände, Beklemmungen und Verängstigungen. Du versuchst diese zu lösen. Du erkennst die Strukturen Deines Geistes. Du kannst sie zurückführen auf Deine Kindheit usw.. Du wirst mehr und mehr ein Experte deiner Geschichte, aber das befreit Dich nicht. Die Konditionierung bleibt. Etwas entspannen kannst du dich, leichte Lösungen finden statt, aber nicht Freiheit, Hier und Jetzt. Insofern ist das für mich nicht ausreichend. Wenn Du zufrieden bist mit dieser mehr oder weniger ausreichenden Note Vier, o.k. Wenn Du die Eins willst, ein ständiges "Sehr gut", dann ist dieses Streben 'Wer bin ich ?´ notwendig. Das allein führt Dich ins Hier und Jetzt. Dieses Streben ist keine Projektion in die Zukunft. Wenn Freiheit existiert, dann muss sie hier sein. Warum erst nach sieben Jahren Meditation?

F: Freiheit erlebe ich jedesmal in der Meditation, aber es zieht mich immer wieder zurück in diese Identifikation mit Dingen und ich bin dann nicht mehr eins mit mir.

M: Du bist immer mit Dir eins. Du bildest Dir ein, nicht eins zu sein. Das ist eine Konditionierung, ein Programm. Diese Trennung ist Illusion.

Untersuche! Spekuliere nicht! Untersuche dies! Bisher hast Du Dich immer von gewissen Formen in die Irre führen lassen. Von verschiedenen, veränderlichen Bewusstseinszuständen, Befindungen, Sinneswahrnehmungen. Was Du spürtest hast Du für wahr genommen. Alles, was Du spürst und denkst ist nicht Wahrheit. Nutze diese scheinbaren Wahrnehmungen jedoch um herauszufinden: 'Wer denkt? Wer fühlt ?´ Deswegen hat Buddha zu Ende meditiert. Er hat sich nicht zufrieden gegeben mit einem vorübergehenden Glückszustand. Nein, bis zum Ende, bis er erkannte, wer er ist. Dann ist Meditation wirklich sinnvoll.

F: In der Meditation habe ich völlige Gewissheit in der Wahrheit zu sein. Ohne Meditation bleibt nur eine relative Gewissheit abhängig von den Umständen.

M: Wenn Du völlige Gewissheit hast, warum verlässt Du sie?

F: Weil ich nicht immer meditieren kann.

M: Das ist nicht völlige Gewissheit. Dieser Zustand ist abhängig von einem Tun, von Aktivität.

F: Nein, vom Loslassen der Aktivität. Ich tue dabei nichts. Die Gewissheit stellt sich ein.

M: Aber so ganz scheint Dir diese Gewissheit nicht zu schmecken, denn Du tauscht sie bereitwillig ein gegen andere Zustände.

F: Ja, ich kann diesen Zustand nicht aufrecht erhalten. Ich kann das nicht...

M: Was heißt „aufrecht erhalten"? Gerade hast Du gesagt, Du tust nichts.

F: In der Meditation.

M: Ja, du sagtest, in dieser völligen Gewissheit tust Du nichts. Und jetzt sagst Du: „ Ich kann es nicht aufrecht erhalten." Dann war Aktivität vorhanden. Wenn Du nichts tust, dann kannst Du nicht sagen: „Aufrecht erhalten".

F: Ich kann den Zustand nicht aufrecht erhalten, in dem keine Aktivität notwendig ist, um in meinem wahren Sein zu ruhen.

M: Nein. Das ist unlogisch. Du deutest erst an, Du hast nichts zu tun, um in völliger Gewissheit zu sein. Danach behauptest Du, Du musst etwas tun, nämlich einen Zustand aufrecht erhalten. Das widerspricht sich.

F: Das widerspricht sich, glaube ich, insofern nicht, als dass ich nur das Denken loslassen muss. Sobald sich das Denken oder das Ego einschaltet, bin ich wieder in meinen alten Mustern.

M: Du hast scheinbar keine völlige Gewissheit, sondern nimmst an in einer Situation dies, in einer anderen das zu sein.

F: Keine dauerhafte Gewissheit.

M: Völlige Gewissheit löscht die temporäre aus. Dein Körper und Dein Verstand findet weiterhin statt. Wenn Du weisst, wer du bist, lässt Du Dich von Körper und Geist nicht mehr beeindrucken. Du funktionierst und geniesst dann sogar besser als vorher.

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(Weg und Hindernisse)

F: Du hast von dem direkten Weg gesprochen. Wie geht das?

M: Der direkte Weg ist, wo kein Weg vorhanden ist. Das nennt man wirklich direkt, alles andere ist indirekt.

F: Wenn Hindernisse da sind?

M: Es gibt keine Hindernisse. Wo kein Weg ist, gibt es keine Hindernisse. Nur wo ein Weg ist, gibt es zwangsläufig auch Hindernisse.

Sie haben zwei Möglichkeiten. Die eine ist völlige Hingabe an das Sein, das Leben an sich, oder - entsprechend Ihrer Neigung und Kultur - Gott oder einem Meister. Wenn Sie sich völlig hingeben, dann brauchen Sie gar nichts tun. Sie haben erkannt: „Ich bin nur ein Werkzeug, ich habe es nicht bestimmt hier auf der Erde zu sein. Leben kam, ich bin hier, ich werde wieder gehen." Insofern erfüllen Sie fröhlich Ihre Funktion, was auch immer die ist, ohne Ängste und Sorgen. Sie wissen, alles kommt, wie es kommen muss, wie es kommen soll. In biblischer Sprache würde man sagen: "Ich bin ein Kind Gottes." In anderen Kulturen könnte es ein anderer Ausdruck sein. Wahre Zufriedenheit ist Hingabe. Nicht tun müssen, verteidigen, kämpfen und hart arbeiten müssen. Allerdings erscheint Hingabe, durch die Art wie unser Geist gestrickt ist, bei uns im Westen beinahe als unmöglich.

Es gibt immer wieder Menschen, die Hingabe spielen, sich diese vorstellen und wünschen, aber wirklich nicht dazu bereit sind. Ich rate deshalb eher die zweite Möglichkeit der Selbstergründung zu wählen. Nämlich zu untersuchen und herauszufinden, wer Sie wirklich sind. Anstatt sich von den Geschehnissen Ihres Lebens, von Ihren Gedanken, von Ihren Gefühlen beeindrucken zu lassen, bleiben Sie bei diesem Ich-Gedanken, bleiben Sie einfach bei sich selbst. Sie untersuchen: Wer denkt? Wer fühlt? Wer ist? Bisher war die Aufmerksamkeit immer bei Gedanken und Gefühlen. Wer fühlt, wer ist, wurde jedoch übersehen.

F: Wenn ich untersuche, wer ich bin, ist das nicht auch ein Tun? Ich bemühe mich dabei doch um eine Antwort.

M: Es mag so erscheinen.

Die wahre Untersuchung jedoch ist mühelos. Warum sollte Mühe notwendig sein? Für mich ist Selbstergründung lediglich Ausrichtung. Hinwendung zum wahren Selbst. Empfinden Sie es als natürlich und normal, sich ständig um Ihr Leben zu sorgen und zu planen? Von der ersten Sekunde am Morgen, bis Sie einschlafen. Sogar im Traum sorgen und bemühen Sie sich noch weiter. Also sind der Körper und der Geist ständig in Bemühung. Diese Ausrichtung auf das Selbst von der ich spreche, die Selbstbefragung 'Wer bin ich ?´ ist das Ende jeglicher Bemühung.

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(Erwachen)

Frage: Kann jeder Mensch erwachen?

M: Ja! Jeder ist wach. Allerdings fasziniert sehr viele Menschen das Träumen mehr als diese kostbare Wahrheit, die jeder Mensch ist. Jeder kann erwachen. Mensch sein ist genug.

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(Glücklichsein)

Frage: Wenn ich mich frage: "Wer ist das, der denkt oder fühlt?", dann beginne ich zu analysieren, ich bin dies und jenes und so.

M: Diese Ergründung des Selbst führt erst zu dem Erkennen Ihrer Person, Ihrer Lebensumstände, Ihrer Gedanken und Gefühle. Diese zu analysieren rate ich Ihnen jedoch nicht. Warum? Die Erfolgsrate ist nicht ermutigend. Wir können lernen aus hundert Jahren Therapie, Tausenden von Jahren spiritueller Übung, und müssen erkennen: All dies hat in Bezug auf Erwachen nichts genützt. Wenn Sie aber interessiert, wer Sie sind - und da ist auch körperliche und geistige Schwäche kein Problem - dann müssen Sie tiefer schauen als diese Person. Diese Person ist nur ein Konstrukt, ein Gewebe aus Gedanken und Erfahrungen, also schlichtweg Vergangenheit. Selbstergründung hintergeht die Person, denn Sie fragen sich: "Wer sieht die Gedanken, wer sieht die Gefühle? Wer bin ich?" Das ist also ein großer Unterschied zum analysieren, das Ihnen die Therapeuten anraten. Ich sage: "Gehen Sie tiefer. Finden Sie heraus, wer Sie sind!" Was ist dieser Seinsgrund, in dem jegliches Gefühl statt findet? Euch interessieren die Formen, die Art der Gefühle. Die einen machen euch heiß, die anderen lassen euch auch nicht kalt. Jene wollt Ihr, die anderen wollt Ihr nicht. Diese Art von Zukunft ist wünschenswert, diese Art von Vergangenheit wollt Ihr lieber vergessen. Wer Ist wird leider übersehen: Dein wahres Selbst, in dem der Körper stattfindet und auch die Person mit ihren Gedanken und Gefühlen.

F: Hat jeder Mensch eine Hauptsehnsucht, zum Beispiel Freude?

M: Ich vermute das. Meiner Erfahrung nach will jeder Mensch glücklich sein. Jeder! Seit die Menschheit vor zehntausend Jahren das Glück verloren zu haben scheint, versucht sie dieses Glück wieder zu bekommen. Durch Sicherheit, durch Beziehungen, eine glückliche Familie, finanziellen Erfolg, erstrebenswerte Lebensformen, durch unzählige verschiedenste Objekte, aber wirklicher Frieden und Glück sind sehr selten. Einigermaßen glücklich, vorübergehend glücklich zu sein, ist glücklicherweise möglich. Manche Menschen wollen dagegen bis zum Ende schauen, bis zum Anfang: 'Wer bin ich wirklich ?´ Das können glückliche Menschen sein, sowie verzweifelte, unglückliche Menschen. In beiden Fällen ist die Motivation zu verstehen. Der glückliche Mensch fragt sich: "Warum bin ich nicht völlig glücklich? Warum haben alle Dinge, die ich besitze nach einer Weile einen schalen Geschmack ?" Und der Unglückliche will verständlicherweise seine Situation verändern, will Zufriedenheit. Andere Menschen wiederum sind schnell zufrieden, wenn die Lebensumstände einigermaßen harmonisch sind, wenn sie materiell abgesichert sind, es in der Beziehung klappt usw. Erst wenn diese Harmonie durch ein Unglück zerbricht, beispielsweise durch Verlassen werden oder Verlust, entsteht wieder Sehnsucht nach Freiheit. Völlig unabhängig von allen Lebenssituationen sind jedoch bestimmte Menschen angezogen, herauszufinden wer sie wirklich sind. Eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit, eine Ahnung von wirklichem Frieden zieht sie an. Ohne diese Ahnung vom wahren Sein, wahrem Glücklichsein, würde niemand eine Motivation haben danach zu suchen. Ich sage mit Nachdruck: "Dieses Glück ist nicht in weiter Ferne, es ist jetzt Hier. Frieden ist Hier und Jetzt. Wunschloses Glück."

Ein Wunsch kommt, Verlangen und Streben entsteht, und damit schon ein wenig Unglück. Hier, jetzt ist Frieden.

F: Beim schnellen Autofahren habe ich meine schönsten Einheitsgefühle. Tränen steigen mir ins Gesicht. Allerdings laufe ich Gefahr, dass mein Körper stirbt.

M: Das Einsein gibts nur beim Rasen? Schauen Sie, der Körper ist sozusagen in permanenter Gefahr zu sterben. Ich will Sie nicht ängstigen, aber der Körper wird sterben. Jetzt, Morgen, oder in 70 Jahren. Das gibt Ihnen allerdings kein Recht andere Menschen zu gefährden. Das ist keine Meditationsform der Freiheit, in der Sie mit 180 über die Strasse rasen müssen, um Einheit zu erleben. Vielleicht akzeptiert ein Richter ihren Einspruch gegen ein Bußgeld wegen Schnellfahren, wenn Sie einbringen: „Das dient meinem wahren Selbst".

F: Ich rase nicht, um Erlebnisse zu haben. Es passiert einfach so...

M: Ja. Ein Erlebnis passiert. Ein Erlebnis kam und ging. Wer sind Sie, in dem dieses Erlebnis passierte und wieder verging? Das gilt es herauszufinden.

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(Fügung)

Frage: Ist es Fügung dass ich jetzt hier bin, in diesem Körper?

M: Nutze die Zeit, die Du in dem Körper bist, um herauszufinden, wer Du bist. Sei dankbar, manche kommen nur für eine kurze Zeit, um eine Erfahrung der Liebe und Fürsorge zu machen, und müssen schnell wieder gehen. Andere kommen, erfahren Leid und gehen. Du bist in einem Land geboren, in dem Reichtum herrscht. Große Gnade. Verhungerst nicht in jungen Jahren, verdurstest nicht. Materiell ist für Dich gesorgt. Du kannst würdig leben. Dein Geist kann sich entwickeln, Interessen haben, Freude. Und darüber hinaus, bist Du daran interessiert, wer Du wirklich bist, eine ganz große Gnade. Das ist sehr selten. Millionen von Menschen leben in diesem Land, die nicht herauszufinden wollen, wer sie sind. Sie interessiert nur was sie nächstes Wochenende machen, sie haben Ziele: Ein größeres Haus, ein neues Auto, ein attraktiver Urlaub usw. Das ist an sich nicht schlecht. Aber Du solltest diese Lebensspanne besser nützen. Der einzige Grund warum Du hier auf dieser Erde bist, ist herauszufinden wer Du bist und das Leben zu geniessen.

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(Schmerz)

Frage: Seit 39 Jahren habe ich immer wiederkehrende Schmerzen, wie kann ich diesen Zustand verändern?

M: Was erzählt Ihnen der Schmerz? Was hat er Ihnen zu geben? Fragen Sie ihn, wenn er das nächste Mal wieder zu Besuch kommt. Dieser Schmerz hat eine Botschaft, die er Ihnen seit 39 Jahren zu erzählen versucht. Sie haben scheinbar nicht gehört, was er Ihnen zu sagen hat. Der Schmerz kommt und geht. Findet also statt in Ihnen, die mehr ist als dieser Schmerz, der kommt und geht. Für den Umgang mit dem Schmerz ist es wichtig, dass Sie zuhören und ihn fragen, was er Ihnen zu sagen hat, was sein Gastgeschenk ist. Und um herauszufinden, wer Sie sind, die hier ist, unabhängig von Schmerz, unabhängig von Schmerzfreiheit, sollten Sie untersuchen, wer Sie sind.

Bei Buddha hat dieser Schmerz, das Sehen von Leid, Alter, Krankheit und von Tod nicht dazu geführt, dass er von seinem Reichtum als Prinz Almosen verteilt hat oder Bares auf ein Spendenkonto überwiesen hat. Nein, es führte zur Selbsterforschung. Sein wahres Selbst suchte er. Und er fand. Nachdem er erwachte, sprach er über Erleuchtung. Und er hat auch geraten, ein gutes, barmherziges Leben zu führen. Insbesondere diesen Menschen, die nicht die Kapazität haben, direkt herauszufinden, wer sie sind, hat er einen Pfad der Tugend vermittelt. Ihm hat dieser Schmerz gedient. So lassen Sie diesen Schmerz Ihren Diener sein, und missverstehen Sie ihn nicht als einen Peiniger.

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